VERANSTALTUNG // Diskussionsforum in Hildesheim

„Für eine gute und menschenwürdige Pflege“

Hildesheim - Am 20.04.18 fand im Hildesheimer Kreishaus vor ca. 70 Zuhörenden eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Pflege statt. Eingeladen hatte die Bundestagsfraktion der SPD.

Begrüßung und Moderation übernahm der Hildesheimer Bundestagsabgeordnete Bernd Westphal.

Podiumsmitglied Claudia Moll, Altenpflegerin und Mitglied des Gesundheitsausschusses des Bundestages, hat bis zum 24.09.17 in ihrem Beruf gearbeitet. „Ich bin froh, dass Pflege in der Politik zum Thema wurde.“ Mit steigender Pflegebedürftigkeit und der Zunahme dementiell erkrankter Menschen habe der Druck in der Altenpflege dramatisch zugenommen. Mit den positiven Ansätzen im Koalitionsvertrag sei nur ein Anfang gemacht. „Es ist was Schönes, den Beruf zu lernen!“

Alexander Jorde, der zurzeit seine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege am St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim absolviert, war ein weiterer Gast auf dem Podium. Jorde hatte im Rahmen des Wahlkampfes in einer Talkshow Kanzlerin Merkel nachdrücklich auf die Probleme in der Pflege hingewiesen. Seitdem steht er im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung beim Thema Pflege. Im „System Krankenhaus“ würden auch junge Menschen schnell lernen, Verantwortung zu übernehmen und oft mit herausfordernden Grenzerfahrungen in Berührung kommen. In seiner Ausbildung erlebt Jorde den Widerspruch, gelernt zu haben „was den Menschen ausmacht“. Im Arbeitsalltag zähle das aber nicht. Bei der fortschreitenden Kommerzialisierung des Gesundheitswesens spiele Individualität keine Rolle mehr. „Das fehlt mir im System“, so Jorde.

Christine Meier von der Gewerkschaft ver.di stellte sich als ehemalige Krankenschwester vor. Sie habe den Eindruck, dass die Pflegenden in den letzten Jahren stärkere Aktivitäten entwickeln würden, um sich für die eigenen Interessen stark zu machen. Sie verwies auf den „ver.di-Nachtdienstcheck“, der desaströse Personalschlüssel in den Krankenhäusern offengelegt habe. Durch den Abbau von Pflegestellen fehlten heute in den Krankenhäusern 70.000 Vollzeitkräfte in diesem Bereich. Meier forderte von der Politik eine flächendeckende gesetzliche Personalbemessung.

Svenja Rose sprach als Mitglied des Errichtungsausschusses der Pflegekammer Niedersachsen. Mit der Kammer entstehe eine Vertretung des Berufsstandes mit einer starken Stimme. Im Umfeld der zunehmenden Ökonomisierung brauche die Pflege eine eigene Vertretung, um das Berufsbild definieren zu können.

Die anschließende Diskussion mit dem Publikum zeigte, wie komplex und vielfältig die Themen sind, die mit „Pflege“ assoziiert werden: Es wurden u. a. Digitalisierung, Apparatemedizin, Menschenwürde, Dienstplanprobleme, Privatisierung, Verschiebung von Leistungen im ambulanten Bereich und viele andere Aspekte angesprochen.

Bezüglich der Pflegekammer Niedersachsen appellierte Alexander Jorde an die Kritiker: „Ich kann die Ablehnung nicht nachvollziehen.“ Er wünschte sich von der eigenen Berufsgruppe, das Klagen einzustellen und stattdessen in den „Kampfmodus“ zu schalten, und sich der eigenen Macht bewusst zu werden. Jorde zeigte sich gut informiert über das Mehrheitsprinzip bei Entscheidungen der Kammerversammlung und dass die Finanzierung durch die Mitglieder Unabhängigkeit gewährleiste. Svenja Rose rief dazu auf, in der Kammer eine Chance zu sehen und sich bei der Wahl zur Kammerversammlung einzubringen.

MdB Westphal verabschiedete abschließend die „Hildesheimer Erklärung zur Pflege“, in der mehr Personal, gute Arbeit, auskömmliche Finanzierung, Ausbildung und Interessenvertretung durch die Pflegekammer angesprochen werden.

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